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MY JOURNEY - „Laufen bedeutet für mich Freiheit.“

22 Tage. 22 Menschen. 22 Geschichten bis zum 41. BMW BERLIN-MARATHON.

07.09.2014

Filippo Laisa
© Thomas Zöller

Wenn Filippo Laisa erzählt, wie er zum Laufen kam, wird seine Stimme noch etwas tiefer und er wird nachdenklich. Das Schlüsselerlebnis des heute 40-Jährigen ist eigentlich kein Schönes, doch er ist ein Mensch, der sein Schicksal nutzt, um mit voller Kraft und Motivation daraus hervorzugehen.

„Bis zu meinem 27. Lebensjahr war ich leidenschaftlicher Fußballer. Laufen gab es für mich damals nur auf dem Fußballplatz. Einfach so um des Laufens Willen die Schuhe zu schnüren, das hätte ich mir damals nicht vorstellen können“, berichtet der Mann aus Hochheim. Doch Knieprobleme bereiteten ihm schon zu seinen fußballerischen Hoch-Zeiten immer wieder Probleme. Eine Operation folgte der nächsten und so war der Mann mit italienischen Wurzeln vor 13 Jahren dazu gezwungen, seine Karriere als Fußballer an den Nagel zu hängen.

„Danach machte ich erstmal knapp drei Jahre lang gar keinen Sport, hörte mit dem Rauchen auf und sammelte das ein oder andere Kilo auf den Rippen.“ In dieser Zeit begann Filippo bei Globus SB-Warenhaus zu arbeiten und hatte gleich in den ersten Tagen seiner Anstellung ein Team-Gespräch, das sein Leben verändern sollte. „Wir mussten unsere mittelfristigen Ziele nennen und hatten nur wenige Minuten Zeit, diese zu definieren. – Ich weiß nicht, warum, doch als ich an der Reihe war, sagte ich, ich will einen Marathon laufen.“ Was er da gesagt hatte, realisierte Filippo erst nach der Besprechung. Doch Filippo ist keiner von der Sorte Mensch, die laute Töne spucken, doch ihren Worten keine Taten folgen lassen und so begann er jeden Tag – wenn auch zunächst unregelmäßig – drei bis fünf Kilometer zu laufen. Er meldete sich mit seinen Arbeitskollegen zu einem Team-Staffellauf an. „Unser Team bestand aus den jungen wilden Azubis und uns alten Säcken. Unsere Motivation nach dem erfolgreichen Lauf war so groß, dass wir uns prompt für einen Halbmarathon anmeldeten. Nicht viele zogen diesen dann tatsächlich durch. Doch ich ging mit einem Azubi an den Start: Er mit der großen Klappe, ich am Ende mit der besseren Zeit.“

Als Filippo merkte, dass er mit verhältnismäßig geringem Aufwand sehr annehmbare Zielzeiten erreichen konnte, erweiterte er seine Laufumfänge und gab seinem Training noch einmal einen Feinschliff. Er merkte, dass der Traum vom Marathon in erreichbare Nähe rückte. „Ich sprach mit meiner Frau und sicherte mir ihre Unterstützung zu. Bei so einem zeitintensiven Training braucht man familiäre Unterstützung, das ist ganz klar.“ Filippo schaffte es innerhalb eines Jahres in Topform zu kommen und lief bei seinem ersten Marathon im Jahr 2008 nach 3:45 Stunden ins Ziel. Seitdem hat ihn die Sucht gepackt und er läuft in diesem Jahr seinen fünften Marathon. Beim BMW BERLIN-MARATHON will er seine persönliche Bestzeit von 3:25 Stunden toppen. Einige Ultraläufe sollen auch noch folgen. „Laufen bedeutet für mich Freiheit. Und wenn ich vor meinem Wettkampf eine SMS von meiner zwölfjährigen Tochter bekomme, in der sie mir viel Erfolg für den Lauf wünscht, dann löst das in mir die größten Glücksgefühle aus, die ich kenne.“


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